Beitrag verschlagwortet mit ‘Literaratur’
Literarische Übersetzung
Posted on: 5. Mai 2011
Gestern habe ich einen Artikel gelesen, der vor einigen Wochen in der ‚Literarische Welt’ veröffentlicht war. In diesem Artikel vergleicht die Schreiberin zwei verschiedene Übersetzungen von einem Buch von Bruno Schulz. Einer von den Übersetzern „übersetzt manches regelrecht falsch“, während die andere Fassung „genau“ und „akademisch richtig ist“.
Das ist ein ungleicher Kampf, nicht wahr?
Eigentlich, nein. Die Schreiberin des Artikels bevorzugt die erste Fassung, die nicht so „genau“ als die Zweite ist; denn es gefällt ihr besser und, für sie, fängt es besser den Geist des Originals ein.
Also, wie macht man eine ‚gute’ literarische Übersetzung?
An der Universität, habe ich einen Kurs für Literarisches Übersetzen gemacht und ich muss ehrlich sagen, dass es ganz schwierig war! Mit der Analyse von schon bestehenden Übersetzungen von Gedichten, Theaterstücken und Novellen, hatte ich keine Probleme: „Ja, das ist eine gute Fassung!“ oder „Nein, ich mag das nicht. Er hat nicht den Rhythmus / den Stil / die Satzlänge respektiert!“ Aber wann man seine eigene literarische Übersetzung schaffen muss, steht das auf einem anderen Blatt…
- Wie entscheidet man, welche Aspekte eines Stücks am wichtigsten sind?
- Kann eine Übersetzung akademisch richtig sein und noch den Geist des Originals einfangen?
- Und wie ist es mit dem Layout, der Zeichensetzung, den Namen, usw. ?
Es gibt keine generelle Antwort auf diesen Fragen, es ist für jedes Stück anders. In einer Broschüre mit Tipps zum Thema ‚wie ein guter Übersetzer zu finden ist’, klingt dieses Zitat richtig: „Professionelle Übersetzer sind in erster Linie Autoren“. Das bedeutet, dass Zweisprachigkeit nicht ausreichend ist. Um eine gute literarische Übersetzung zu schaffen, muss man vor allem literarisch gestimmt sein.
Was denken Sie? Wenn man keine eigene Literatur schreiben kann, kann man wirklich die Literatur eines anderen übersetzen? Oder ist das nicht wichtig?
Bis bald
Jess