WORLD OF TEXT

Wandel der Sprachen – aus lol wird lawl

Posted on: 24. März 2009

Als Sprachenblog haben wir in letzter Zeit so diversifiziert wie möglich berichtet (und es werden noch Artikel in/über anderen Sprachen erscheinen!), doch heute möchte ich über eine „Sprache“ sprechen, die mehr ein regionaler Dialekt als alles andere ist.

In vorigen Artikeln hatte ich bereits Leetspeak angesprochen, ein Internetphänomen, das nunmehr fast ausgestorben ist. Doch Internetdialekte bestehen weiterhin, und es entwickelt sich parallel zu den restlichen Sprachen.

Es fing an mit ein wenig harmlosen Internetvokabular, zu Zeiten von 56k Modems, wo sogar chatten teuer war – man musste Sätze und Wörter abkürzen, um die gleiche Bedeutung, aber bedeutend weniger Wörter zu übermitteln. Aus Lachen wurde lol, aus „bin mal eben weg“ wurde afk, und so weiter – für eine Auflistung den früheren Artikel durchstöbern oder diese sehr lange Liste (Achtung – die Liste will vollständig, und nicht effizient sein, daher nicht jeden Begriff als „allseits bekannt“ ansehen) durchgehen.

Doch Sprache verändert sich, und Internetsprache ist keine Ausnahme. Besonders das Vokabular musste sich öfter und öfter den neuen Sprachbegebenheiten, und gewisse Begriffe wurden „in“, dafür andere wieder „out“. Ich nutze die Begriffe in und out hier absichtlich als Zeichen dafür, dass wir nurnoch selten die Begriffe in und out benutzen, und je nach sozialem Kreis eher eines ihrer Synonyme (ich zum Beispiel bin immer noch ein Fan des cool, uncool, wobei das schon längst nicht mehr „cool“ ist).

So war lol (laughing out loud) nicht mehr ausreichend, und es wurden Variationen des Wortes geboren, um die Ansprüche der Internetgesellschaft eines neuen, trendigen Begriffes zu erfüllen. Es gab neue lols – lawl, lul, lulz, löl, und noch Dutzende, wenn nicht Hunderte mehr. Dass die neuen Abkürzungen im Endeffekt nicht mehr auf Laughing out Loud zurückzuführen waren, ist nicht weiter von Bedeutung, da jeder Nutzer der neuen lols natürlich wusste, woher das Wort stammt, und daher die Bedeutung instinktiv kennt. Ein Außenstehender ist natürlich verwirrt. Dies passierte natürlich nicht nur mit lol, sondern mit fast jedem Begriff, der im Internet öfters benutzt wurde. besonders beliebte Variationen von rofl (rolling on floor laughing) sind atomrofl, roflcopter, oder gar rolf.

Ich habe nur zwei Beispiele gewählt, und von denen noch die Sinnigsten neuen Alternativen, aber das Thema greift tiefer als so mancher Sprachwissenschaftler vermuten würde. Ein kleines Beispiel – das Synonym löl(z) für lol ist Hauptsächlich im Deutschen Online-Sprachgebrauch entstanden, da im Englischen keine Umlaute existieren. Andere Muttersprachler und Internetnutzer aus Ländern mit Umlaut könnten das Synonym ohne Probleme verstehen, Englisch-Muttersprachler würden anhand der Stellung der L’s wahrscheinlich auch relativ schnell darauf kommen, aber andere Wörter, in denen Vokale zu Umlauten oder sonstige im Englischen nicht mögliche Konstellationen im Onlinegebrauch verwendet werden, könnten ebenso Internetslang-erfahrene Nutzer aus der Bahn werfen.

Abschließend möchte ich noch ein Beispiel dafür erwähnen, und dieses ist aus der Gamerszene (spezifisch Counterstrike, das erneut seinen eigenen Fachjargon / Register hat) – ein Satz, den jeder Deutsche Spieler verstehen wird, aber so bei jedem Engländer einfach nur Ausrufezeichen hervorrufen wird.

„jo, geheadyt!“

Mehr über Internetjargon, und die Analyse dieses Zitates, morgen.

– Moritz

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