WORLD OF TEXT

Sprachenwandel im Internet, die Zweite

Posted on: 25. März 2009

Ich schrieb erst gestern über die progressive Veränderung von Internetabkürzungen, doch das ist natürlich nur ein kleiner Teil der Sprachveränderungen im Internet. Das von mir verwendete Zitat birgt einen weiteren, wichtigen Teil der heutigen Online-Sprachgebären.

In der Vormachtstellung der Sprachen im Internet liegt das Englische weit vorn (man muss dabei jedoch begutachten, dass ich aus einer europäischen Sichtweise schreibe, ich kann daher nicht nachvollziehen ob für den Ostasiatischen Bereich nicht zum Beispiel Chinesisch die Vormachtstellung hat), auch wenn man natürlich die Sprache im Internet längst nicht mehr als reines Englisch bezeichnen kann.

Während der durchschnittliche Englisch-Muttersprachler nur ab und zu in gewissen Nischen mit Wörtern aus anderen Sprachen im Internet konfrontiert wird (Deutsch ist die zweitmeistgesprochene Sprache im Internet nach Englisch, sprich vielleicht versteht sie ihr Amerikanischer Chatkollege mehr als sie denken?), so sind Englische Begriffe für fast alles im Internet schon Standard. Ein Beispiel: Instant Messaging, ein Dienst wie zum Beispiel ICQ ihn anbietet. Das ganze wird zu IM abgekürzt, ICQ ist bereits eine Abkürzung, und wenn jemand eine Nachricht erhält, so kann er dies kurz mit „mom, msg“, oder „mom, da IMt mir jemand“ oder „sec, icq“ abkürzen – aber all das hatte ich bereits im letzten Artikel erwähnt, warum also nochmal?

Weil viele Englische Begriffe, die uns nun schon fast ins Internet-Fleisch und Blut übergegangen sind, auch in anderer Form verwendet werden – aus Abkürzungen werden Verben, Gerundien und zum Teil ganz andere Wörter. Wo wir wieder beim Zitat des letzten Artikels wären: geheadyt – das Originalwort ist head shot, oder Kopfschuss, eine besonders effiziente Weise, seinen Gegner in gewissen Computerspielen auszuschalten (über dessen Validität in unserer Gesellschaft ich mich jetzt nicht auslassen will) – dieser Begriff wird verkürzt und in ein deutschklingendes Verbgerüst gesteckt. Sehr oft wird auch noch versucht, die Englische Vergangenheitsform wenigstens halbwegs richtig dranzuhängen, weswegen geheadyt auch mal mit ed hinten dran zu sehen sein kann. Die Schreibweise des Wortes ist in dem Sinne auch nicht weiter wichtig, es geht um die Fehlnutzung von Lehnwörtern, die sich so einbürgern, dass die betroffene Person bald nicht mal mehr weiß, dass sie das Wort Kopfschuss benutzt hatten – geheadyt kann und wird im übertragenen Sinn in Computerspielen auch schon einfach für einen schnellen, effizienten Abschuss benutzt, und die nächste Spielergeneration setzt „in einem Spiel jemanden erschießen“ vielleicht sofort mit „headyn“ gleich.

Ich möchte an dieser Stelle abschließend sagen, dass mich die derzeitige Sprachentwicklung der Internetsprachen nicht stark beunruhigt – ich gehöre zu einer der ersten Generationen, die das Internet in globalem Aufstieg erlebt haben, und bin daher relativ liberal, wenn es um Internetbegriffe geht. Wenn ich aber jemanden auf der Straße begegne, der als Antwort auf einen guten Witz laut „LOL!“ brüllt, anstatt einfach zu lachen, dann hoffe ich, dass Internetsprache auch Internetsprache bleibt, und dass der Trend zu wertvoller Sprache hingeht – wo jedes Wort eine Inflektion, einen Stamm, und eine Intonation hat. Und nicht, wo wir uns nurnoch durch Buchstabenreihen ausdrücken und versuchen, im echten Leben Smilies mit unseren Händen zu formen – dafür haben wir Gesichter.

-Moritz

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