WORLD OF TEXT

Einsatzgebiete für Übersetzer

Posted on: 16. März 2010

Die folgende Frage kommt vermutlich den meisten, die Übersetzen / Dolmetschen studieren, recht bekannt vor: „Und was machst du dann, wenn du mit dem Studium fertig bist?“ Zunächst schaut man ein bisschen ungläubig und wundert sich vielleicht sogar über diese (groteske) Frage. „Das ist doch ganz klar,“ denkt man bei sich (mimt aber die Verständnisvolle und erklärt ausführlich die Studieninhalte). „Ich studiere Übersetzen/ Dolmetschen, also werde ich später mal Übersetzer / Dolmetscher.“

Mit steigender Semesterzahl wird einem dann jedoch bewusst: So klar ist das gar nicht. Die Misere beginnt bereits im Grundstudium mit Linguistikkursen (mal auf Deutsch, mal auf Englisch oder Französisch), die für die Einen ein Fluch, für die Anderen ein Segen sind, und nimmt mit Kursen zur mündlichen Textproduktion und Kulturwissenschaft ihren Lauf. Wer Übersetzen / Dolmetschen studiert, muss nämlich nicht unbedingt Übersetzer / Dolmetscher werden. So viel sollte bereits nach dem ersten Semester klar sein. Einigen liegt der theoretische Teil des Studiums vielleicht besonders gut, sie sind mit Saussure quasi per du und sehen ihre Zukunft in der Wissenschaft. Zu diesen Studenten habe ich nie gehört. „Durchhalten“ war mein Motto während schier endlosen Linguistikstunden. Ich brauche die Begriffe Substrat, Superstrat und Adstrat nur zuhören und in meinem Kopf wird die Melodie von Tom und Jerry gespielt. Mein Gehirn schaltet auf stur. Auch Referate zu halten oder mich besonders gut zu präsentieren gehörte nie zu meinen Stärken, weswegen ich auch eine Karriere als Dolmetscherin schnell ausschließen konnte.

Was also bleibt, ist der Übersetzerjob. (Hab ich doch von Anfang an gesagt😉 ). Aber auch hier ist Übersetzer nicht gleich Übersetzer. In spätestens zwei Jahren möchte ich mit meinem Studium fertig sein. Es ist also an der Zeit, dass ich mir langsam Gedanken darüber mache, wohin mich mein Weg führen sollen. Selbstständig machen oder doch lieber bei einer Übersetzungsagentur anfangen? Welche Spezialisierung soll es sein – Recht, Wirtschaft, Technik oder vielleicht doch Medizin? Oder etwas ganz Anderes? Da gibt es aber auch noch die Möglichkeit, als Software-Lokalisierer, technischer Redakteur, Literaturübersetzer, Untertitler, Lektor oder Projekt- und Qualitätsmanager zu arbeiten. Und und und. Es gibt also wahrlich genug Einsatzgebiete für Übersetzer und die verunsichert fragende Verwandtschaft kann beruhigt werden. Aber wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Glücklicherweise bieten die Unis da verschiedene Fachkonferenzen, Kongresse oder sonstige Veranstaltungen an. So beschäftigt sich beispielsweise die englische Abteilung des Seminars für Übersetzen Dolmetschen der Uni Heidelberg besonders mit der Übersetzung medizinischer Texte und organisierte daher in den vergangenen Jahren regelmäßig Konferenzen zum Thema Teaching Medical Translation. Am Institut für angewandte Linguist und Translation der Uni Leipzig werden viele ehemalige Studenten des IALT eingeladen, um von ihren Erfahrungen zu berichten und kurze Vorträge zu dem Bereich zu halten, in dem sie nun arbeiten. Das alles beantwortet bereits viele Fragen und ist mit Sicherheit hilfreich. So weiß ich mittlerweile zum Beispiel, dass man 6.000 – 10.000 € Anschaffungskosten für die Ausstattung einkalkulieren sollten, wenn man plant, sich selbstständig zu machen. Mit diesem Betrag schockte uns Manfred Schmitz, Leiter von Intertext Berlin, als er zum Thema Existenzgründung referierte. Zu diesen 6.000 – 10.000 zählen Soft- und Hardware, Räumlichkeiten, Versicherung, Werbung, Berufshaftpflicht, Telefon/Fax/Internet etc. Das hat meinen Wunsch, später als Freiberufler zu arbeiten, erstmal gedämpft, aber nicht im Keim erstickt. Schließlich kann es nie schaden, auch eigene Erfahrungen in der Praxis zu machen.

Ich für meinen Teil habe beschlossen, bis zu meinem Abschluss möglichst viele praktische Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen zu sammeln, um dann mit dem Master-Zeugnis in der Hand ein klares (berufliches) Ziel vor Augen zu haben.

So long, Nicole

1 Response to "Einsatzgebiete für Übersetzer"

Das ist wahr. Eigentlich ist doch klar, dass man nach dem Studium auch in dem Beruf arbeitet. Aber wahrscheinlich rührt diese Frage aus der Tatsache, dass viele Absolventen nach dem Studium in artfremden Berufen arbeiten, weil i.d.R. erst nach 2 Jahren Berufstätigkeit der Lebensunterhalt bestritten werden kann. Abgesehen davon, ist es gut, wenn jeder Student rechtzeitig schon während des Studiums seinen Neigungen folgt und damit die Weichen für sein späteres Berufsziel stellt.

J.

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