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Deutsche Jugend – Die Punks und Ich

Posted on: 24. Juli 2012

Vor ein paar Wochen habe ich die Chance gehabt, ein paar Leute in Schwerin kennen zu lernen. Jeden Dienstag Abend im Paulskirche findet eine Sammlung von Menschen verschiedener Alter von 15 bis 40 statt . Sie sitzen zusammen vor der Tür der Kirche, sie unterhalten und trinken. Die Erwachsene unter ihnen beschäftigen sich mit der Vorbereitung des Essens, welches sie den Jugendlichen anbieten. Es gibt sogar einen Billardtisch, Kicker und Tischtennis, damit die Teilnehmer sich vergnügen können.

Es klang nicht schlecht als man es mir beschrieben. Deswegen entschiede ich, mich dabei mitzumischen. Was ich nicht wusste, war, dass man eine gewisse Art und Weise haben muss, zu sprechen, sich zu kleiden und sich zu benehmen, um hier dazu zu gehören. Als ich angekommen bin, gekleidet in meinen hellen Jeans mit weißer Jacke, war mir unverzüglich klar, dass ich die Aufmerksamkeit der anderen von Kopf bis Fuß in schwarz gekleideten Teilnehmer erregt hatte. Wer war dieser nie zuvor gesehener Fremde, der sich die Haare allzu regelmäßig schneiden lässt, und was zum Geier macht er da mit uns? Haben sie sich sicherlich gefragt. Mein erster Gedanke war, dass ich nicht dazugehöre.

Als ich mich hinsetzte, fühlte ich mich schon ein bisschen wie ein Fisch auf dem Trockenen. Überall gab es verrückte  Haarfrisur: Mädels, die mit allen Farben des Regenbogens experimentierten. Männer, die gegen alle Friseurs zu streiken schienen. Jungs, die den Irokesenschnitt stolz trugen. Halsbände waren hier nötiger als Krawatten in einem englischen Internat. Schwarz war die einzige erlaubte Farbe. Hosen wurden mit Ketten statt Gürtel befestigt. Keine Nase war nicht gepierct. Kein Ohrläppchen bleibt ungedehnt. Riesen Stiefel wurden getragen, sowie Kapuzenpullover mit Anti-Nazi Slogans. Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, spielte man Heavy Metal Musik im Hintergrund. Willkommen bei den Punks.

Immer noch, versuchte ich so sozial zu sein wie meine wackelige dritte Sprache mir erlaubt, auch wenn ich annahm, ich würde wenige Gemeinsamkeiten mit dieser Gruppe haben.

In Kürze bemerkte ich ein wiederkehrendes Thema. Die Nazis. Aber nicht die NSDAP über welche wir so viel in der Schule lernen. Für diese Jünglinge, bedeutet dieses Kennzeichen was anderes, was aktuelles. Es bedeutet (laut ihnen) Rechtsextremen, die sich mit den ehemaligen Politiken von der NSDAP identifizieren. Ich versuchte, vernünftig zu erwidern, dass es sicherlich keinerlei Jemand in Deutschland geben kann, der mit diesem schrecklichen, erbärmlichen Zeitalter in der deutschen Geschichte identifizieren würde. Die „Nazis“ von denen sie so viel sprachen und zwar mit so viel Hass, müssen hauptsächlich eine Ausgeburt ihrer Fantasien sein. Doch doch, sie mich versicherten, indem sie die neulich stattgefundenen Randalen im Hamburg zitierten, als die Neo-Nazi Bewegung eine Kundgebung organisiert hatten, und die Linksextremen sich dagegen mobilisierten.

Besonders beunruhigend war ihre offensichtliche Desensibilisierung bezüglich des „Nazi“ Spitznamens, den die jüngere Mitglieder dieser Gruppe allzu häufig benutzten. Darüber hinaus, sprachen sie von ihrer persönlichen Prügeleien mit diesem Feind, während die Erwachsenen gut zuhörten, und lächelten herzlich mit Stolz als noch eine Geschichte mit einem „punkischen“ Sieg in dem Krieg gegen die Nazis endete. Nichtsdestotrotz, es wirkte paradoxerweise gleichseitig auffrischend, so viele junge Leute zu treffen, die sich für eine ganze Menge politischer Themen so stark engagierten, auch wenn ihre Ansichten ziemlich Schwarzweiß wirkten, wie mit jüngeren Leuten oft der Fall ist. Letztendlich, für diejenigen die glaubten, wie ich, dass „Punk“ nur eine Phase war, die Teenies durchleben während dieser Selbstentdeckungsperiode ihres Lebens, war meine Erfahrung bei ihnen ein echter Augenöffner.

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