WORLD OF TEXT

Anglizismen – Bereicherung der deutschen Sprache oder „unnecessary“?

Posted on: 25. Juli 2012

In meinem ersten Blogbeitrag möchte ich über das eher durchgekaute Thema von Anglizismen in deutscher Werbung sprechen. Obwohl schon viel in älteren Blogeinträge darüber gesagt wurde ist es meiner Meinung nach immer interessant in die neusten Beispiele und Beiträge zu dieser Debatte ein bisschen tiefer reinzugucken. 

Eine Studie einer bekannten Beratungsfirma hat neulich gezeigt, dass weniger als die Hälfte der deutschen Bevölkerung englische Werbesprüche richtig verstehen und dass noch weniger sie richtig übersetzen könnten. Das heißt, sogenannte knackige, einprägsame Sprüche wie „Fly high, pay low“ für eine Fluggesellschaft gehen einfach über den Verstand von vielen Deutschen. Sind denn solche Werbungen kontraproduktiv? Wie kann man erwarten, dass deutsche Bürger die emotionale Bindung zu einem Produkt bauen, wenn viele von ihnen das Englische nicht sofort verstanden haben? Kaum liest man einen Werbespruch mehr als einmal, er muss deshalb einfach verständlich sein. Die potentiellen Kunden müssen wissen, was die Werbe auf Englisch mitteilen will – sonst wirkt die Werbung einfach nicht. 

Das heißt nicht, dass englische Redewendungen oder Sprüche in der deutschen Sprache fehl am Platz sind. Viele haben sich sehr schnell in die Sprache eingebürgert, wie „There’s no better way to fly“ von Lufthansa. Englisch in der Werbung kann weltoffen, dynamisch und modern wirken. Aber wichtig ist natürlich, die passenden Vokabeln zu verwenden, damit sich keine peinlichen Missverständnisse dadurch entstehen. Beispielsweise hat eine Firma, die eine Art „Körpertaschen“ vertreiben wollten, wohl übersehen, dass ihr „body bag“, wie sie es genannt haben, tatsächlich für Englischmuttersprachler einen „Leichensack“ bedeutet: nicht genau die Botschaft, die die Firma mitteilen wollte.

Nichtsdestotrotz sind einige von dem Verein der deutschen Sprache vorgelegte Meinungen bezüglich Anglizismen  nicht sinnvoll. Der Verein behauptet, dass englische Wörter nur in der deutschen Sprache benutzt werden sollen, wenn es keine deutsche Alternative gibt, wenn sich das Wort angenehm anhört und wenn es verständlich ist. Ich bin mit der letzten Voraussetzung einverstanden (aus den Gründen, die ich in den ersten Absätzen erklärt habe), aber wer soll entschieden zum Beispiel, ob sich ein Wort schön anhört oder nicht? Persönlich finde ich die von Facebook inspirierten Wörter liken oder geliked hässlich auf Deutsch, aber diese klingen wahrscheinlich sehr angenehm für manche Muttersprachler. Schön ist was gefällt. Zweitens, wer auch immer behauptet, man solle kein englisches Wort benutzen, wo ein deutsches schon existiert, muss auch gegen sämtliche Synonyme sein, obwohl alle Sprachen der Welt aus Synonymen bestehen.

Schließlich möchte ich noch einen Sachverhalt anschneiden. In England wird oft gejammert, dass die Deutschen englische Wörter nicht „richtig“ verwenden, oder dass sie neue Anglizismen erfinden, wie beispielsweise ein Beauty farm. Richtig, das ist falsches Englisch…. Aber, wenn das Wort schon in der deutschen Sprache eingebürgert ist, egal ob es sich von Englisch oder einer anderen Sprache ableitet, entspricht es nicht den Sprachnormen der englischen Sprache, sondern deutschen Regeln. Die Verwendung des Wortes Handy ist nicht falsch auf Deutsch, obwohl es im Zusammenhang mit Telekommunikation in England komisch vorkommen würde. Jedenfalls bin ich der Meinung, dass es viel Wichtigeres gibt, worüber man sich aufregen kann, als darüber, ob jemand einen Kaffee mit der Wendung Coffee to go bestellt, oder ob die WC am Bahnhof Rail and Fresh heißen.  

 

Jonathan

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