WORLD OF TEXT

Wer sind die Briten? Und die Deutsche?

Posted on: 13. August 2012

Als gestern Abend alle Augen auf London zum Anlass der Abschlussfeier der Olympischen Spiele gerichtet waren, zeigte sich Großbritannien von seiner Schokoladenseite. Als die britischen Fahnen wimmelten, und das Publikum mit den Athleten unter freiem Himmel feierten, sahen die zahlreichen Zuschauer in jedem Winkel der Erde was für eine weltoffene, dynamische und lebenslustige Stadt London ist. Die altmodischen und ausgelutschten Stereotypen den Briten gegenüber wurden erfolgreich unter den Teppich gefegt: die Einwohner der Insel hatten sich an Selbstbewusstsein zugenommen, als ob eine neue nationale Identität aus den Spielen herausgekommen wäre. Und die Frage stellte sich, was hält die Welt von den Briten? Lassen wir diese Frage aus einer deutschen Perspektive überlegen.

Eine weitverbreitete Meinung ist, dass die Briten wie die Weltmeister trinken. Zwar können die Deutschen eine beeindruckende Menge an Alkohol runterschütten, aber was das Verhältnis von Alkoholkonsum und Zeit angeht, kann scheinbar niemand die Briten übertreffen. Zumindest ist das die allgemeine Meinung vieler Menschen. Aber es existiert nicht nur eine Kultur von hemmungslosem Trinken bis zum Umfallen, sondern auch die berühmte Pub-Kultur. Wie alle wissen, sind die Pubs der ideale Treffpunkt für Kumpels und Bekannte zusammenzukommen, gute Gesellschaft zu genießen und über jedes und alles bei einem Pint zu plaudern.

Dann gibt es auch das eher anständigere Image der Briten, die angeblich jeden Tag Tee trinken, sich endlos über das Wetter auslassen, und immer „please“, „thank you“ und „I’m ever so sorry“ sagen. Und natürlich behaupten viele, dass Schlange stehen typisch britisch ist, und dass alle Einwohner der Insel die Angewohnheit haben, sich an der Haltestelle brav in der Reihe aufzustellen. Aber jeder, der während der Rushhour versucht hat, einen Fahrschein von einem Automat in einer London U-Bahn Station zu kaufen, würde daran zweifeln, dass die Engländer in dieser Hinsicht so diszipliniert sind.

Und was können wir lernen, wenn wir die Frage auf den Kopf stellen? Was denken die Briten über die Deutsche. Eine von dem British Council durchgeführte Studie ergab, dass die Mehrheit der Jugendlichen in Großbritannien über sehr niedrige Kenntnisse bezüglich Deutschlands verfügt. Mehr als die Hälfte der britischen Schüler, die an dieser Studie teilgenommen haben, konnten keinen deutschen Prominenter nennen (Claudia Schiffer wurde die am meisten genannte berühmte Deutsche). Darüber hinaus erwähnt die Studie einige beunruhigende Tendenzen bezüglich den Vorstellungen junger Briten gegenüber den Deutschen. Ihre Wahrnehmung der Deutschen wird immer noch vom Zweiten Welt Krieg und anderen irrelevanten Ideen von der deutschen Identität geprägt, wahrscheinlich weil mehr als die Hälfte keinerlei Verbindung zu Deutschland hat, und dementsprechend keine persönliche Erfahrung vom Land und seiner Bevölkerung hat. Hoffentlich wird in Zukunft in Großbritannien mehr Wert daran gelegt, bessere und offenere Beziehungen zu Deutschen zu pflegen, damit solche Vorurteile endlich abgebaut werden können.

Eines ist sicher. Es ist nicht einfach einen Trennungsstrich zwischen Stereotypen, Verallgemeinerungen und Vorurteilen zu ziehen. Vielleicht sollten wir alle (die Briten sowie die Deutschen) aufhören, alle Bürger eines Landes in einen Topf zu werfen.

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